Das Anliegen der Erhaltung des „arbeitsfreien Sonntags“ ist ein Gebot Gottes und Gabe und Auftrag unserer christlich-abendländischen Kultur. Es ist zutiefst im jüdisch-christlich Fundament begründet. Die Sabbatheiligung ist eine Weisung der Tora Israels und zugleich die endzeitliche Verheißung der Vollendung der ganzen Schöpfung, die in Christus eine „Neuschöpfung“ geworden ist, „schon jetzt, wenn auch noch nicht vollendet“. Die in Seufzen liegende und bedrohte Schöpfung gilt es zu schonen und zu bewahren. Menschen und Tiere, Mitwelt, Umwelt und Sachwelt bedürfen deshalb der Pause und Erholung. Ansonsten gibt es nur noch Arbeitstage. Zeit für den Gottesdienst, Zeit für Muße und Freizeit, für Spiel und Gesang, Kunst und Kultur, Zeit für Familie und Kinder, Partnerschaft und Freundschaft sind Gebote der Menschlichkeit, der Freiheit und Gerechtigkeit. Dies betrifft vor allem auch die Frauen und jene Dienstleistungsberufe, die Tag für Tag – auch an Sonn- und Feiertagen – gefordert sind. Aber müssen sie immer in Dauerstress stehen, müssen Landwirte neben der notwendigen Versorgung der Tiere auch am Sonntag aufs Feld, müssen Dienstleister im Gastgewerbe und in den Vekehrsbetrieben an jedem Wochenende eingesetzt sein, müssen Geschäfte – vor allem die kleinen und mittleren Familienbetriebe in Konkurrenz zu den großen Kaufhäusern – noch mehr aufgerieben werden; muss alles nur noch dem „Gott des Geldes“, dem Rennen und Jagen und der geschäftlichen Gewinnmaximierung unterworfen sein? Ist nicht die Entschleunigung das Gebot der Stunde und das zur Ruhe kommen ein Zeichen der Gesundheit und des Heiles für den ganzen Menschen in all seinen Dimensionen? Die Sonntagsheiligung ist also eine Weisung Gottes, sie entspricht der weisen Wirtschaftsordnung der Tora, ist eine existenzielle, soziale und solidarische Frage und ist nicht zuletzt – menschlich-evolutiv gesehen – sogar die größte Errungenschaft der Welt- und Menschheitsgeschichte. + Bernhard Heitz, Bischof
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